Donnerstag, 23. Oktober 2014

12tel Blick, Oktober 2014

Im Wandel der Jahreszeiten, wird Monat für Monat das gleiche Motiv aus der gleichen Perspektive beobachtet.



Der Oktober ist jetzt auch schon fast um, und unser Garten bereitet sich auch auf den Winter vor.
Eine große Veränderung zu September kann ich nicht feststellen, obwohl 
am Wall sieht es doch etwas kahler aus als im letzten Monat.
 Hier noch die Bilder der vergangenen Monate :





 Mehr Fotos gibt es hier bei Tabea Heinicker    


   






Samstag, 4. Oktober 2014

Erinnerungen....

Hallo ihr Lieben,

bevor ich mich wieder anders entscheide, möchte ich euch einen Erlebnis von mir teilen, welches mich sehr tief berührt hat.

Vor einpaar Monaten war mein jüngerer Sohn krank, und es war Wochenende, deshalb sind wir in das Kinderkrankenhaus gefahren, welches bei uns in der Nähe ist. Während wir im vollen Wartezimmer gewartet haben, sah ich einen Aufruf der Klinikseelsorgerin. Sie haben dringend, Kinderwagen und Kinderklamotten sowie Kinderspielzeuge gesucht. 

Sofort habe ich an unseren Kinderwagen gedacht, der noch sehr gut erhalten ist, und wir nicht gerade Menschen sind, die auf Flohmärkte oder bei Ebay Sachen verkaufen. Ich beschloss mich demnächst darum zu kümmern.

Es kam vieles dazwischen so dass ich erst vor kurzem wieder daran gedacht habe. Ich rief im Krankenhaus an und man verband mich mit der zuständigen Ordensschwester Schwester D.

Schwester D. ist die Seelsorgerin dieses katholischen Kinderkrankenhauses, und sie ist die Nachfolgerin von Schwester B. die mich nach dem Tod von meiner Tochter betreut hatte. Ich erzählte ihr  wer ich bin, und sie konnte sich noch sehr gut an unsere Geschichte erinnern und auch an den Namen von meiner Tochter. Da musste ich erst einmal Schlucken und eine kleine Träne verdrücken. Wir beide kannten uns nicht persönlich, jedoch wussten wir einiges voneinander. Wir verabredeten uns für die nächste Woche und ich sollte den Kinderwagen auf alle Fälle mitbringen, weil sie immer händeringend Kinderwagen benötigen.

Letzte Woche war es nun so weit. Nachdem ich den kleinen Mann im Kindergarten abgeliefert habe, fuhr ich weiter zum Krankenhaus.

Dieses Krankenhaus habe ich solange gemieden, bis der kleine Sohn einmal die Treppen runter fiel. Wir mussten sofort ins Krankenhaus, aber innerlich haben wir uns so sehr gesträubt dort wieder hinzufahren, wo unsere Tochter gestorben war. In diesem Krankenhaus hat meine kleine Elira den Kampf um ihr Leben verloren, obwohl die Ärzte und Schwestern alles mögliche unternommen haben, aber meine Tochter hat es nicht geschafft.

Doch wir mussten beide über unseren Schatten springen und mussten es für den kleinen Sohn tun. Mein Mann habe ich angesehen, wie sehr er sich überwinden musste, am Anfang hat er noch gesagt. "Geh' du bitte alleine ich kann nicht". Als ich geantwortet habe, dass ich Unterstützung brauche und es auch nicht alleine schaffe, kam er mit.

Schwester D. wurde ausgerufen, und Minuten später stand sie schon vor mir. Und obwohl wir uns zum erstenmal gesehen haben, waren wir uns sofort sehr vertraut. Sie hat eine kleine schwarzhaarige Türkin erwartet und als sie mich sah, habe ich ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht, ich sehe so gar nicht türkisch aus *zwinker*

Wir sprachen über alles mögliche, über sie, über ihren Beruf, über uns, über unseren großen Verlust....und ich habe wieder angefangen zu weinen, weil ich auch nach über 5 Jahren nicht sprechen kann, ohne zu weinen...

Ich habe nach Schwester B. gefragt, die mich damals betreut hatte, und die jetzt in eine andere Stadt gezogen ist. Ich habe noch regelmässig Kontakt zu ihr, aber da ich schon mal hier war, fragte ich natürlich wie es ihr geht. Da erfuhr ich, dass meine liebe Schwester B. einen Geschenk von mir, die ich ihr gegeben hatte, in Ehren hält, und immernoch benutzt.

Wir haben damals, als meine Tochter 3 Wochen alt war einen mevlüd gemacht, dass ist eine Segnung des Kindes, so ähnlich wie eine Taufe, aber bei uns findet alles zu Hause statt, und die Hoca, die aus dem Koran liest, kommt nach Hause. Hinterher gibt es etwas zu essen und man verteilt Geschenke an die Gäste. Wir haben damals Seidentücher aus der Türkei an die Gäste verteilt, und auch ich habe zwei Seidentücher für mich und für meine Tochter ausgesucht, die ich ihr später, wenn sie alt genug war, zum Andenken an ihren eigenen mevlüd, geben wollte.

Nun das ist bei uns nicht passiert, meine Tochter starb und dieser Seidentuch lag in ihrer Schublade und ich habe es nicht gewagt es anzufassen und war jedesmal sehr traurig, wenn ich es sah.

Damals war Schwester B.  mir eine sehr große Hilfe, ich konnte sie jeder Zeit anrufen, sie hörte mir zu und hat mir durch ihre Art alles bildlich darzustellen, enorm viel geholfen. Sie hat mich monatelang zu Hause und am Telefon betreut, und dafür war ich ihr so dankbar. 

Dann als sie eine andere Stelle in einer anderen Stadt annahm, habe ich ihr das Seidenetuch, welches für Elira gedacht war, geschenkt und wusste, dass es so sein sollte. (kime niyet kime kismet). 

Diese wunderbare Frau, hat es dankend angenommen und mir auch gleich gesagt, dass sie es beim beten benutzen wird. Als Ordensschwester beten sie viel und sie wollte es als Gebetstuch über ihre Schultern legen. Ich habe mich natürlich sehr darüber gefreut, weil das Tuch eine so sinnvolle Bestimmung haben sollte.

Nun, als wir mit Schwester D. so da sitzen und sie mir erzählt, dass Schwester B. damals so gerührt war und diese Geschichte im Haus der Ordensschwestern erzählt hat und das Schwester D. deshalb sich so genau an uns und an Eliras Namen  erinnern kann. 

Das hat mich so glücklich gemacht, das mir die Tränen nur so liefen. Eliras Name fällt heute selten  in einem Gespräch und es hat mich und meine Tochter geehrt, dass man noch an sie denkt, und sie mit einer liebevollen Geschichte verbindet.

Schwester B. und mich verbindet so viel obwohl sie eine katholische Ordensschwester ist und ich eine gläubige Muslim. Wenn man sich gegenseitig respektiert, können so wunderbare Freundschaften entstehen. 

In dem Sinne....alles Liebe...




(Entschuldigt bitte die Rechtschreibfehler, aber wenn ich es noch überarbeite, werde ich mich bestimmt nicht trauen, dass abzuschicken).